Dokumentation

Hier können Sie eine ausführliche Dokumentation der 1. Projektphase von UNDER (DE)CONSTRUCTION downloaden.

FILM UNDER (DE)CONSTRUCTION

Die Reihe FILM UNDER (DE)CONSTRUCTION beleuchtet an fünf Abenden unterschiedliche Aspekte der Konstruktion und Dekonstruktion im bewegten Bild. Dabei geht es nicht nur um Konstruktionsmechanismen von Bildsprache, sondern auch um Fragen persönlicher Identität und nach ihrem Verhältnis zur sozialen und architektonischen Umgebung. Gezeigt werden arrivierte künstlerische Positionen wie Birgit Hein mit ihrem neuesten Werk „Abstrakter Film“, aber auch junge Filmemacher wie Isabella Willinger mit ihrem Film „Fort von allen Sonnen", der dieses Jahr mit dem Starter-Filmpreis ausgezeichnet wurde. Einige der Künstler und Regisseure werden bei den Vorführungen anwesend sein.

Die Reihe entsteht in Kooperation mit der HFF München und wird von Franziska Stöhr und Daniel Lang kuratiert.

 

FILM UNDER (DE)CONSTRUCTION findet im Filmraum in der Halle 6 statt:

MI 17.09. 2014, 20:00 - 22:00    FILM UNDER (DE)CONSTRUCTION:

(Gescheiterte) Utopien?

Isa Willinger, Fort von allen Sonnen!, 2013, 77’

In Moskaus Nebenstraßen stehen vergessene Schätze: Utopische Bauwerke des Konstruktivismus, entstanden in den 1920er Jahren im Geiste von Revolution und Hoffnung. Ruinen einer anderen Zukunft. Der Film folgt drei Moskauern, die mit dem Erbe dieser Bauten ringen. Elena kämpft für den Erhalt ihres Wohnhauses und einer Druckerei nebenan, dem einzigen erhaltenen Gebäude von El Lissitzky – während Grundstückspekulanten die Bauwerke aus dem Weg zu räumen versuchen. Donatas träumt davon, eine Künstlerkommune aufzubauen. Vsevolod will ein Architekturdenkmal, das Hauptwerk seines Lehrers, erhalten. In „Fort von allen Sonnen!“ entspinnt sich ein Dialog zwischen Gegenwart und Vergangenheit: Manifeste von Rodchenko, Lissitzky und Vesnin, und Aufnahmen des frühen sowjetischen Films, unter anderem von Dziga Vertov rufen die Vision der Moderne wach. Eine Zeitreise in die revolutionären 1920er Jahre und zurück ins heutige Russland.

Isa Willinger wurde 1978 in München geboren. Nach einem Magisterstudium der Slawistik, Amerikanistik und Soziologie studierte sie Dokumentarfilm an der HFF München. In ihrer praktischen und theoretischen Arbeit widmet sie sich Filmtheorien, Populärkultur und dem Verhältnis von Individualismus vs. Globalisierung. Ihr Film „Fort von allen Sonnen!“ wurde 2014 mit dem Starter Filmpreis der Stadt München ausgezeichnet.

 

MI 24.09.2014, 20:00 - 22:00    FILM UNDER (DE)CONSTRUCTION:

Ellipsen

Wilhelm und Birgit Hein, Reproductions, 1968, 28’

Birgit Hein, Abstrakter Film, 2013, 9’

Vanessa Nica Mueller, Traces of an Elephant, 2011, 26’

Die Künstlerin Vanessa Nica Mueller ist anwesend

„Reproductions“ erkundet ästhetische und Wahrnehmungseffekte der Reproduktion eines einzigen Typus Bild: Streifen von Schwarzweißdias von Reisen der Heins nach Nordafrika, Italien und Griechenland zu Anfang der 60er Jahre. Für ihren Film zerschnitten die Heins die zahlreichen kleinen Bilder in kleine Streifen, die sie von Hand mit einem Moviola-Betrachter bewegten. Während einer von ihnen mit den Streifen hantierte, filmte der andere das projizierte Bild ab, das auf dem kleinen Bildschirm der Maschine erschien. Die improvisierte Tonspur aus atmosphärischen Störungen, Rückkoppelungen, O-Tönen, menschlichem Atmen und Ausschnitten aus Liedern, spiegelt die willkürliche Konstruktion des Bildes. Statt als Beweis für die Schönheit von Reisen zu dienen, werden die Fotografien der Heins zum Material für ein filmisches Experiment.

„Abstrakter Film“ ist eine Collage aus unbearbeiteten Ausschnitten von Youtube-Videos. Hein hat während der Unruhen in Lybien im Jahr 2011 konsequent Videos gesammelt, die die dortige Konfliktsituationen dokumentieren. Der Film zeigt nun aber keine Bilder, die Krisensituationen enthüllen. Im Gegenteil: Das Bildmaterial ist stark verpixelt, oft unscharf und so bleibt der Inhalt auf der visuellen Ebene abstrakt. Einzig die Tonspur, die nicht verändert wurde, enthüllt Hintergründe der gefilmten Szenen. Man hört Schreie und Schüsse, während die filmenden Personen rennen oder stürzen. Hein rückt damit Bilder ins Zentrum, die wir sonst nicht bewusst betrachten oder bewerten, die aber häufig dennoch als Beweis für die Authentizität eines solchen Videos angesehen werden. Durch den Mangel an konkreten Informationen über die Einzelschicksale können die Bilder auch als allgemeingültiges Zeugnis von Konfliktsituationen gelesen werden. 

Birgit Hein wurde 1942 in Berlin geboren. Sie studierte zunächst Kunstgeschichte und Theaterwissenschaft, bevor sie sich dem Film zuwandte. Bis Ende der 1980er Jahre arbeitete sie zusammen mit ihrem Mann Wilhelm Hein, geboren 1940 in Duisburg. Als Filmemacherin, Theoretikerin und Kuratorin gilt sie als eine der wichtigsten Wegbereiterinnen des Experimentalfilms in Deutschland.

„Traces of an Elephant” rekurriert auf Alan Clarkes Film „Elephant” von 1989. Darin rennen Männer gezielt durch ein apokalyptisch leeres Belfast und erschießen vereinzelte Zivilisten. Der Film, ein Statement zum Nordirlandkonflikt von 1989, wurde vor allem deswegen so kontrovers diskutiert, weil Clarke keine eindeutige Position bezog. Mueller begibt sich sozusagen auf Spurensuche vor Ort: Sie entfernt die Mordszenen aus dem Film und kombiniert die verbleibenden Bilder mit Tondokumenten von Interviews, die sie mit Bewohnern von Belfast geführt hat. Neben ihren persönlichen Sichtweisen auf den ursprünglichen Film beschreiben die Befragten Veränderungen urbaner Räume der Stadt Belfast innerhalb der letzten zwanzig Jahre.

Vanessa Nica Mueller wurde 1978 in München geboren und lebt in Hamburg. Sie studierte Film und Zeitbasierte Medien an der Hochschule für bildende Künste Hamburg, der Bezalel Academy of Fine Arts Jerusalem-Israel und der Ecole Superiore des Beaux Arts in Marseille. Ihre Arbeiten bewegen sich stets zwischen Kunst und Film. „Traces of an Elephant“ wurde 2011 auf den Internationalen Kurzfilmtagen in Oberhausen als bester Beitrag im Deutschen Wettbewerb ausgezeichnet.

 

MI 01.10. 2014, 20:00 - 22:00    FILM UNDER (DE)CONSTRUCTION:

Willkommen in der digitalen Welt!

Ulu Braun, Die Flutung von Viktoria, 2004, 22’

Ulu Braun, Alexej Tchernyi, Fish Soup, 2006, 10’

Ulu Braun, Forst, 2013, 11’

Der Künstler ist anwesend

Die Flutung von Viktoria: Eine Endzeitvision und Reise zu den Ursprüngen als außergewöhnlicher Puppen-Trickfilm. Der junge Ed führt als Ansager eine Busreisegruppe durch die Viktoria-Ebene. Das Naturgebiet soll in den nächsten Tagen geflutet werden: Ein Abriss der neuen und alten Welt. Während der Fahrt entdeckt ein exzentrischer Fahrgast sein elementares Verlangen nach Wasser. Mit freundlicher Genehmigung der HFF „Konrad Wolf“ Potsdam-Babelsberg.

„Fish Soup“ ist die Verfilmung einer alten italienischen Sage: Unter Wasser, in der Luft und in den Küstenregionen bereitet die Bevölkerung mit Kraft und Gelassenheit ein spektakuläres Event vor, das selbst in 100 Jahren nicht vergessen sein wird. Der Film vereint fiktionale, dokumentarische und animierte Elemente gleichermaßen und konstruiert eine fantasievolle mediterrane Welt, die einzigartig neu ist und gleichzeitig mit Klischees jongliert.

Forst: Durchs Dickicht des Waldes bahnen sich Leichtathleten mühsam ihren Weg – von Jägern und Sammlern beobachtet. Spaziergänger und Naherholer ergötzen sich an ihren Körpern, während Kinder sich dem magischen Bann moderner Fabelwesen hingeben. Märchen, Sagen und Legenden – Ausgangspunkt vieler dieser Erzählungen ist seit jeher der Wald. Ulu Brauns Videocollage „Forst“ spannt einen ästhetisierenden Bogen vom mythendurchdrungenen Urwald zum medialisierten Naturerlebnispark. Weit entfernt von glatten und braven digitalen Übergängen, zeigen sich die elektronischen Nahtstellen. Das Kollidieren der visuellen Fragmente wird für die Zuschauer sichtbar und fordert ihr Assoziationsvermögen heraus. Die unterschiedlichen und disparaten visuellen Motive werden einem variationsreichen Katalog von Verfremdungstechniken unterzogen, die an die Anfänge der Videokunst erinnern und mit der Ästhetik analoger Technik kokettieren.

Ulu Braun wurde 1976 in Schongau geboren und lebt in Berlin. Er studierte Malerei, Experimental- und Animationsfilm in Wien, Helsinki und Potsdam. Als Videokünstler werden seine Arbeiten sowohl in Einzel- und Gruppenausstellungen weltweit gezeigt, wie auch auf renommierten Filmfestivals wie der Berlinale oder den Internationalen Kurzfilmtagen in Oberhausen. Seine Arbeiten wurden mehrfach mit Preisen ausgezeichnet. 2013 erhielt er beispielsweise den Deutschen Kurzfilmpreis in Gold in der Kategorie „Bester Experimentalfilm“ für „Forst“.

Alexej Tchernyi wurde 1976 in Charkow in der Ukraine geboren und lebt in Berlin. Er studierte Bühnenbild, Malerei und Animationsfilm in Charkow, Kassel, Chongqing und Potsdam. Seine Filme werden weltweit auf renommierten Filmfestivals gezeigt, beispielsweise „Doktor Rao“ auf der Berlinale 2011.

 

DO 09.10.2014, 20:00 - 22:00    FILM UNDER (DE)CONSTRUCTION:

Orte als Identität?

Nancy Brandt, Die gute Lage, Deutschland 2006, 13’

Norman Richter, Vali-Asr - Juli 2006, 2007, 14’

Korinna Krauss, Janna Ji Wonders, Kinder der Schlafviertel, 2005, 35’

Haben Sie die ideale Wohnung? Eine kleine Studie mit ungewöhnlichen Einblicken in die Wohnungen von Familien aus einem Hochhaus in München Neuperlach, das zum größten westdeutschen Siedlungsprojekt nach dem Zweiten Weltkrieg gehört. In „Die gute Lage“ zeigt Nancy Brandt mit reduzierten Mitteln einen Mikrokosmos, der auf die diverse Gesamtbevölkerung des Viertels schließen lässt und konfrontiert den Zuschauer mit den Problemen und Vorurteilen gegenüber der Satellitenstadt Neuperlach.

Nancy Brandt wurde 1979 in Halle/Saale geboren und lebt in Berlin. Sie studierte Medientechnik in Leipzig und schließt gerade mit der Langzeitbeobachtung „Plötzlich MdB“ (AT) über fünf junge Bundestagsabgeordnete ihr Studium der Dokumentarfilmregie an der HFF München ab. Ihre Dokumentarfilme werden international auf Festivals gezeigt und mit Preisen ausgezeichnet. „Die gute Lage“ gewann 2007 beim Internationalen Kurzfilmfestival Hamburg den Deutschen Wettbewerb und den ZDFdokukanal-Preis.

Vali Asr – Juli 2006: Dieser Film wurde an sieben Tagen während des Sommers 2006 in Teheran in der Vali Asr Straße gedreht. Als Nord-Süd-Achse der Stadt erstreckt sie sich auf circa 20 km und ist damit die längste und zugleich älteste Straße Teherans. Der Name Vali Asr bezieht sich auf den Imam Muhammad al-Mahdi. In Übereinstimmung mit dem schiitischen Dogma ist der Imam Mahdi der zwölfte und letzte direkte Nachfolger des Propheten. Es heißt, er lebe seit Jahrhunderten, den Blicken der Menschen entzogen, im Verborgenen. Die Verfassung der Islamischen Republik Iran von 1979 bezeichnet den zwölften Imam als eigentliches Staatsoberhaupt. Die Ayatollahs sind lediglich Repräsentanten des Imams und warten auf dessen Rückkehr. Norman Richters Film zeichnet anhand von zwölf Personen der Vali Asr Straße ein Bild der unterschiedlichen sozialen Schichten und weltanschaulichen Haltungen, und legt so den gesellschaftlichen Querschnitt der Stadt offen. Mit freundlicher Genehmigung der HFF „Konrad Wolf“ Potsdam-Babelsberg.

Norman Richter wurde 1979 in Heide geboren und lebt in Berlin. Er studierte Regie an der Hochschule für Film und Fernsehen „Konrad Wolf“ in Potsdam-Babelsberg. Er arbeitet hauptsächlich im Bereich des Dokumentarfilms und des experimentellen Videos. „Vali Asr – Juli 2006“ wurde 2007 auf den Internationalen Kurzfilmtagen in Oberhausen als bester Beitrag im Deutschen Wettbewerb ausgezeichnet. 

Kinder der Schlafviertel: Junge Punks am Stadtrand von Moskau, in den Plattenbauten des Kommunismus. Sie sind die verlorene Jugend zwischen Gestern und Morgen und können mit den Erwartungen der Erwachsenen nichts anfangen. „Trink, hab Spaß! Rasier dir schnell 'nen Iro und du wirst sehen, was wirklich zählt.“ Und das ist Freundschaft, Wodka und vor allem: Punk! Die beiden Regisseurinnen Korinna Krauss und Janna Ji Wonders finden in ihrem Film eine Bildsprache und einen Erzählfluss, die sowohl einen gesellschaftlichen Zustand als auch die Geisteshaltung der jungen Punks überzeugend illustrieren.

Korinna Krauss wuchs in München, Brüssel und Athen auf. Sie studierte Malerei und Schauspiel in Berlin und Burghausen und schließt gerade mit dem Kurzspielfilm „Chuckwalla“ (AT), der die Krise in Griechenland thematisiert, ihr Studium der Dokumentarfilmregie an der HFF München ab. Sie arbeitet als freie Schauspielerin in Theater und Film und als Regisseurin von Dokumentarfilmen, Filminstallationen und Musikvideos. „Kinder der Schlafviertel“ wurde neben vielen internationalen Preisen auf der Duisburger Filmwoche 2005 mit dem Förderpreis ausgezeichnet.

Janna Ji Wonders wurde 1978 in Mill Valley, Kalifornien, geboren und wuchs in den USA und Deutschland auf. Sie lebt in München und schließt gerade mit dem Kurzspielfilm „I remember“, einem Drama über das Ende einer Freundschaft, ihr Studium der Dokumentarfilmregie an der HFF München ab. Neben ihrer Regietätigkeit arbeitet Janna Ji Wonders als Musikerin, unter anderem in ihrer Band YA-HA!. „Kinder der Schlafviertel“ wurde neben vielen internationalen Preisen auf der Duisburger Filmwoche 2005 mit dem Förderpreis ausgezeichnet.

 

MI 15.10.2014, 20:00 - 22:00    FILM UNDER (DE)CONSTRUCTION:

Partitur des Bauens

Manfred Walther, 80.000 Shots, 2002, 53’

Berlin, Potsdamer Platz zwischen den Jahren 1990 und 2000. Die größte Baustelle der Welt und ein historisches Experiment: Eine Stadt baut sich ein neues Zentrum und Manfred Walther erschafft einen außergewöhnlichen Film – mit Einzelbildaufnahmen hat er im Zeitraffer die Entstehung des Platzes festgehalten, deren Prozess normale Besucher durch die Größe der Baustelle und die lange Bauzeit gar nicht erfassen konnten. Zwölf verbundene, aber eigenständige Kompositionen von Andreas Czeschka geben dem Film seine thematische Ordnung und lassen ein poetisches Ballett der Bilder entstehen.

Manfred Walther wurde 1961 in Berlin geboren, wo er 2011 auch starb. Seit 1980 arbeitete er als freier Fotograf, seit 1990 führte er das Fotogeschäft „ASA 90“ in Berlin. Er veröffentlichte diverse Fotodokumentationen zur Berliner Stadtgeschichte. „80000 Shots“ war sein erster Film für das Kino und feierte 2002 auf der Berlinale Premiere.

 

Podiumsdiskussionen

Stadt nehmen und geben

Konzeption und Moderation: Dr. Agnes Förster

Das Kreativquartier München verspricht uns ein Mehr an Stadt: mehr Nutzungen, mehr Vielfalt, mehr Begegnung, mehr Kreativität, mehr Atmosphäre, mehr Qualität. Doch lässt sich das planen? Der beste Städtebau und die beste Architektur alleine können dieses Versprechen nicht einlösen. Das Kreativquartier braucht Nutzer, welche der Stadt etwas zurückgeben. Die explizite Aufforderung lautet: Stadt nehmen und geben! Die Stadtplanerin und Architektin Dr. Agnes Förster diskutiert das Nehmen und Geben mit heutigen und potenziellen zukünftigen Nutzern des Kreativquartiers – unter anderem aus den Perspektiven Kunst und Kultur, Wirtschaft, gemeinschaftliches Wohnen und Arbeiten, Bildung und Integration, urbanes Gärtnern, Foodsharing und Nachbarschaftsarbeit.


Gesprächspartner:

  • Tom Biburger (Institut für Angewandte Kulturelle Bildung, IAKB)
  • Heidrun Eberle (NachbarschaftsBörse Ackermannbogen) 
  • Angelika Fink (PATHOS München) 
  • Susanne Flynn (KunstWohnWerke München eG)
  • Anna Hanusch
  • Florian Hartmann (Architekt, Meili, Peter GmbH München) 
  • Anna Jäger (FairTeilers) 
  • Tilo Klöck (Hochschule München, Gemeinwesenentwicklung, Quartiersmanagement und Lokale Ökonomie)
  • Martin Rasper (o'pflanzt is!) 
  • Dorothea Seror (Performanceartist)
  • Frederic Singer/Elisabeth Hartung (Platform München) 
  • Vertreter/in Forum Baugemeinschaften München e.V. 
  • Vertreter/in SchlaU Schule-Schulanaloger Unterricht für junge Flüchtlinge 
  • Vertreter/in Brauchbar
  • Karsten Schmitz (Stiftung Federkiel)


Dekonstruktion als Leitbild zeitgenössischer Kunst und Philosophie

Konzeption und Moderation: Dr. Karin Hutflötz      

Was wird hier dekonstruiert und wozu? Welches Leitbild des Denkens wird damit vorgegeben und welcher Kunstbegriff proklamiert? „Dekonstruktion“ gilt heute fraglos als Vorgabe in Kunst und Philosophie, ist aber nach wie vor ein vielschichtiger und oft seltsam diffus gebrauchter Begriff. Meist meint er eine spezifische Methode der Text- oder Werkanalyse, oder eine Art künstlerischer Praxis in der bildenden Kunst, Architektur oder Literatur. Als Leitbegriff der Philosophie steht er seit Mitte des 20. Jahrhunderts für eine positive Haltung zum geschichtlich Offenen, für die Würdigung von Pluralität und Wandelbarkeit von Sinn und Bedeutung, aber auch für die Einsicht in die Grenzen der Machbarkeit und in die Eigendynamik von Entstehen und Vergehen.

Ausgehend von Nietzsches Kritik am metaphysischen Denken prägte Heidegger den Begriff der „Destruktion“ bezogen auf unsere grundlegenden Denk-Konstrukte, die „konstruiert“ im Geist einheitlicher Welterklärungstheorien und zeitloser Wahrheitssuche („das Gestell“ nach Heidegger) uns nachhaltig den Blick verstellen auf die permanente Offenheit von Sein und Zeit. Mit Derrida und Foucault wurde der Begriff zum Schlagwort der postmodernen Forderung nach Abbau und Grenzüberschreitung des binären Denkens, nach methodischem Aufdecken und ausdrücklichem Würdigen von Widerspruch, Differenz und Konflikthaftigkeit, mit dem Ziel eines Freilegens des offenen Spiel-Charakters von Welt und Werk, das sich im Zusammenspiel der Potentialitäten und Perspektiven je neu ergibt und „wie gespenstisch“ (Derrida) fügt.

Macht dieses Programm der „Dekonstruktion“ aber aktuell noch Sinn in einer derart fragmentierten, kulturell und virtuell entgrenzten Welt zunehmend fragiler Identitäten? Was soll noch dekonstruiert werden – und wozu? Und welche Rolle spielen dabei die Kunst und die Philosophie heute?

Teilnehmer: Dr. Thomas Vasek (Chefredakteur der Hohen Luft), Dr. Thomas Steinforth (Sozialphilosoph und Lehrbeauftragter an der AdBK München), Dr. Christa Sturm (Kunsthistorikerin und MixedMedia- und Performance-Künstlerin), Dr. Karin Hutflötz (Vertretung LS Philosophie/Ästhetische Theorie der AdbK München)

 


Kreativ in München. Wie Architektur und
Gastronomie ein Quartier unterstützen können

Ein Thekentalk von Regine Geibel | muenchenarchitektur.com
aus der Reihe “München und sein Image“

Anlässlich der Absicht der LH München, in der ehemaligen Luitpoldkaserne an der Dachauerstrasse einen Ort für die Künstler der Stadt zu schaffen, widmet sich der zweite „Thekentalk“ von muenchenarchitektur der Frage, wie man dieses Vorhaben unterstützen kann und dieser Szene Münchens wieder mehr Präsenz geben. Denn so bekannt, wie das Museumsareal ist, so sehr ist in den letzten Jahrzehnten das Image Münchens' aktiver Künstlerszene verblasst. Um das Kreativquartier auch für (München-)Besucher interessant zu machen, braucht es ein Lokal auf dem Gelände. Wir werden also über die momentane Situation und darüber welches gastronomische Angebot in diesem für München besonderen Ort mit der so seltenen industriellen Bausubstanz passen könnte, reden. Aktueller Ausgangspunkt ist die gastronomische Zwischennutzung der Wirte von Import Export in einer industriellen Werkstatthalle auf dem Gelände. Gäste:

 

  • Jürgen Enninger, Kompetenzteam Kultur- und Kreativwirtschaft der Stadt München
  • Karsten Schmitz, Gründer der Stiftung Federkiel
  • Tuncay Acar und Michael Schmid, IMPORT EXPORT

Moderation: Regine Geibel

DISCOSSION

DISCOSSION. elektronische Livemusik- / Club-Lecture

Das Areal der ehemaligen Luitpoldkaserne, auf dem sich das Kreativquartier befindet wird seit mehr als 14 Jahren mit verschiedenen Clubprojekten bespielt. Deshalb wird sich die Veranstaltungsreihe DISCOSSION im Rahmen des Ausstellungsprojekts UNDER(DE)CONSTRUCTION unhierarchisch dem Auflegen, dem Ein- und Ausfaden, Gegenblenden und auch dem »Erklären« von Musik aus verschiedenen Positionen widmen.

Jeden Freitag Abend hinterfragt DISCOSSION von 20:00 – 22:00 Uhr die Zusammenhänge von Gesellschaft, Ort, Körper und Musik. In einem experimentellen Prozess beschäftigt sich die Reihe einerseits damit die versteckten Verbindungslinien der Musik-Popkultur der letzten Jahrzehnte mit der undogmatischen Form einer »Club-Lecture« zu analysieren und im Gegensatz zu den massenmedialen Musikströmungen die permanenten musikalischen Überschreibungsprozesse durch die vergleichende Technik des »nebeneinanderstellens« bewusster erlebbar zu machen. Auf der anderen Seite wird das Format die »verschütteten« Verbindungslinien unterschiedlich interpretieren. Daraus entstehen neue Musikproduktionen und alternative Clubveranstaltungen. 

Kuration & Konzept: Mirko Hecktor

 

Die DISCOSSIONS finden in der IMPORT EXPORT Kantine statt:

FR 19.09.2014 20:00 - 22:00    DISCOSSION I

The Band with Moving Shirts. Redundancy Loops. Liveset & Sample-Lesung

Dominik Pointvogel alias DJ Peabird und Mirko Hecktor präsentieren als Auftakt der DISCOSSION Veranstaltungsreihe die Redundancy Loops. Aus den Songs unzähliger Discobands der letzten Jahrzehnte werden Loops extrahiert und gegeneinander abgespielt. In den Kontext der funktionalen Clubmusik, die den Körper einerseits als ausbeutbares Kapital innerhalb der Verwertungslogik der Clublandschaft begreift und auf der anderen Seite durch das Prinzip des »Borgens« im heterogenen Raum neue soziologische Zusammenhänge generieren kann, werden Texte zeitgenössischer Theoretiker, aber auch kurzweiliger, hedonistischer Non-Sense-Trash sowie Münchner Stadtgeschichte »In the Mix« gestellt. Aus endlos vielen Spuren entstehen kulturelle Geister und Feedbacks.

 

FR 26.09.2014 20:00 - 22:00    DISCOSSION II

Camión. Walking words und spoken sounds. Konzert/ Performanz

Pico Be (Das Weiße Pferd | Schamoni Musik) übersetzt Songtexte aus der Münchner, New Yorker und manch anderer Szene ins Deutsche. Dazu erschafft der Theatermusiker und Meeresforscher Daniel Murena (Murena Murena) eine atmospharische Soundlandschaft, die per Playback abgespielt wird. 

 

DO 02.10.2014 20:00 - 22:00    DISCOSSION III

Thomas Meinecke. DJ Set

Thomas Meinecke legt klassische afroamerikanische Techno Music aus dem postindustriellen Detroit der 1990er Jahre auf.

 

FR 10.10.2014 20:00 - 22:00    DISCOSSION IV

Andreas Neumeister. German Charts. DJ-Talk & Mini-Lecture

Andreas Neumeister legt seine German Charts als DJ-Talk erneut auf. Er beschäftigt sich, durch die Methode des »Platten vorspielens« teils dekontextualisiert, perspektivisch verstellt und undogmatisch mit der deutschen Vergangenheit aus der Sicht internationaler Popmusik und eröffnet dadurch einen erweiterten Blick auf geschichtliche Zusammenhänge. Er formuliert überdies eine Art »Hidden History«.

 

FR 17.10.2014 20:00 - 22:00    DISCOSSION V

Stefan Britze & Niklas Barth. »Wie die Copypaste Zwischenablage unser Leben verbessert«. DJ/ Clublecture

DJ, Bühnenbildner und Theatermacher Stefan Britze & der Soziologe, Autor und Technostratege Niklas Barth suchen nach einer spekulativen Soundästhetik jenseits gängiger post-/ hoch- & moderner Erzählstrukturen. Als Vorlage steht John Cages 4’33”/ Stephen Kings Friedhof der Kuscheltiere aka Facebook/ das Totengespräch als spekulativ-realistische Königsdisziplin/ You Tube Pate. Die Clublecture wird Immanuel Kants realitätsstiftende Beobachterabhängigkeit außen vor lassen und stattdessen an einer performativen Form arbeiten, die die pure Behauptung an deren Stelle setzt.

Kooperationen

ZWEITER GLÜCKSKONGRESS. Insitut für Glücksfindung

Das Institut für Glücksfindung lädt ein zum zweiten Glückskongress.
Am 14.09.2014 um 17:00 Uhr. Wir werden im Innenhof unserer neuen Institutsräume am Schwere-Reiter-Gelände eine große Tafel errichten, an unserer Wokstation frische Speisen zubereiten, mit den Stühlen spielen, an den Seilen hängen, auf den Boxen stehen und Mauern einreissen.... 

Da unsere Tafel nur beschränkt Platz bietet und damit wir die Essensmenge besser kalkulieren können, bitten wir um eine Anmeldung bis zum 07.09.2014 unter m@institutfuergluecksfindung.de

beteiligte Künstler:
Anne-Sophie Lohmeier, Kami Manns, Valérie Marsac,
Thomas Meadowcroft, Michael Bischoff & Dorothea Seror
Der Kongress wird unterstützt vom Kulturreferat der LH München.
institutfuergluecksfindung.de

COLLABORATION_7

München_Mostar_Belgrad_München

Die Reise von acht in München lebenden KünstlernInnen wird parallel zum Ausstellungszeitraum von UNDER (DE)CONSTRUCTION dokumentarisch begleitet und an einem abschließendem round table von den Künstlern präsentiert.
Die künstlerischen Arbeiten, die während der Vorrecherchen und der Tour entwickelt wurden, kommen in Belgrad und Mostar zur Präsentation. Die Arbeiten sind ortsbezogen. Dabei sind inhaltliche Berührungspunkte, formale Parallelen und zeitliche Überschneidungen zwischen den beiden Ausstellungsorten intendiert. Neben den individuellen Arbeiten wird ein Tisch als kommunikatives und produktives Zentrum entstehen. Der Tisch ist gleichzeitig funktionales Objekt, skulpturales Element und sozialer Raum, der als Plattform Diskussionen und Begegnungen aller Art ermöglicht. Der Tisch begleitet die Gruppe wie eine Art Basisstation, er wird prozessual verschiedenen Nutzungen zugeführt, wird inhaltlich und formal wachsen und sich dadurch ständig verändern. Die Reise endet am 12.10.2014 in München mit einer öffentlichen Projektpräsentation.

Das freie Projekt COLLABORATION_ wurde von Thomas Thiede 2008 initiiert und möchte künstlerische Positionen aus München national sowie international präsentieren und im Austausch nationale sowie internationale Positionen nach München einladen. Es ist ein nicht-kommerzielles, seriell angelegtes Projekt von Künstlern für Künstler und Gäste. In seinem Verlauf ermöglicht das COLLABORATION_PROJECT die Partizipation weiterer künstlerischer und auch kuratorischer Positionen.

Teilnehmende Künstler:
Beate Engl, Leonie Felle, Sandra Filic, Franka Kaßner, Anton Bosnjak,
Philipp Messner, Alexander Steig, Thomas Thiede
collaboration-project.de

Brücken schlagen
– vom Candidplatz bis Leonrodplatz

 im Okt. 2014

“Brücken schlagen - vom Candidplatz bis Leonrodplatz” ist eine Kooperation der Färberei, m/u/c/a und der Stiftung Federkiel, die damit gemeinsam das 20jährige Jubiläum der ISArt an der Brudermühlbrücke mit verschiedenen Aktivitäten zur Streetart im Oktober zelebrieren wollen.

Die Idee nimmt bereits jetzt Gestalt an - in selbst im Prozess befindlichen Formen. Was uns zeigt, dass München immer wieder für eine Überraschung gut ist.
Das Team von UNDER (DE)CONSTRUCTION freut sich besonders über die Zusammenarbeit mit der städtischen Kultureinrichtung, der Färberei, die zu den "Pionieren" der Förderung von Graffiti-Streetart Kultur auch über die Stadtgrenzen hinaus zählt. Mit dem Träger des Kreisjugendring München-Stadt initiiert, ermöglicht, organisiert und vernetzt die Färberei junge Kunst und gibt Jugendkultur dadurch einen Raum in München. Sie haben zudem regelmäßig Projekte mit den wichtigsten nationalen und internationalen Künstlern der Graffit-Streetartkultur realisiert, wie zum Beispiel die ISArt - ein Projekt, das dieses Jahr seit 20 Jahren besteht. Ebenso freuen wir uns über die Zusammenarbeit mit der Galerie des Kunsthauses Maximilian - m|u|c|a, die mit einer hochkarätigen Ausstellungsprogrammatik aus der zeitgenössischen Kunst sowie der Urban Art ihre Schwerpunkte setzt. Außerhalb der Galerie werden ebenfalls immer wieder Projekte im öffentlichen Raum mit namhaften Urban Art Größen wie Case, Herakut, L.E.T und AIKO realisiert.

Und so ist schließlich die Idee gewachsen, dass UNDER (DE)CONSTRUCTION in Kooperation mit der Färberei und m/u/c/a das Projekt “Brücken schlagen – vom Candidplatz bis Leonrodplatz” als Partner umsetzen und sich gegenseitig um weitere Facetten bereichern.
diefaerberei.de
muca.eu

Performances

PERFORMANCE Pelona3 

von Jan Erbelding

Pelona existiert als Gedanke, als Wort, Begriff, Grenze, als Klang, als Text, als Performance. Pelona war ein Gedanke, der an einem Sommernachmittag in meinen Kopf kam. Sofort war klar, dass es sich bei Pelona um Kunst handelt. Ich versuche in der Arbeit »Pelona« die Bedingungen zu analysieren,unter denen Kunst entsteht; in meinem Kopf, in anderen Köpfen, im Raum, der ein Ausstellungsort sein kann oder ein politisch konnotierter Raum. Pelona ist als sequenzielle Arbeit angelegt, momentan entstehen Pelona2 und Pelona III. In jeder Sequenz wird versucht unter den aktuellen Bedingungen den ursprünglichen Gedanken ausstellbar zu machen, die »UrPelona«.  

Klangperformance: Foehn und der Auge

von Prof. Markus Oehlen, Marcel Ralle und Raymond Gantner

Markus Oehlen ist seit 2002 Professor an der AdBK in München für Malerei und Graphik und gilt als einer der Hauptvertreter der neuen Wilden. Er gehört zum Umfeld des Raitinger Hofs, eine ehemalige Künstlerkneipe in der Düsseldorfer Altstadt, die in den 1970er Jahren Szenetreffpunkt der Deutschen Undergroundkultur war. Dort feierte Markus Oehlen bereits seine ersten Auftritte als DJ und Drummer bei  Punkbands wie Charley’s Girls, Mittagspause und Fehlfarben. Zusammen mit seinem ehemaligen Student Marcel Ralle, der in den 1990er Jahren im Ultraschall auflegte und im Jahr 2005 die Künstler und Performancegruppe Cloneheadz gründete, entstand im Jahr 2013 Foehn und der Auge.
Foehn und der Auge dringen seitdem vor in bisher unerschlossene realvirtuelle Welten und lassen diese Wirklichkeit durch die performative Präsentation einem Publikum erfahrbar werden.
Der Sound wird zerhackt,
Dann mit Soundsamples garniert
Und mit verschiedenen Effekten wieder zusammengesetzt.
Parallel dazu entsteht auf einem selbstkonstruierten Projektionstisch eine Videocollage, die sich aus digitalen und analogen Fotos, Getreide, Folie und anderem obskuren Material zusammensetzt. 
Plötzlich rumpelt, knistert zischt und faucht es,
Von links kommt eine Trompete vorbei,
Von rechts gesellt sich ein kurzer Sprachfetzen dazu
Und von unten wummert der Bass.
Mal click & cuts, mal Funk und Footworks, der den deepen Sound á la Basic Channel kitzelt.
Die Luft flirrt im Raum,
Die Grenzen oszillieren,
Scheinen zu verschwinden und geben dadurch den Blick in eine konkret individuell gelebte Gegenwart und reflektierte Zukunft frei.
marcelralle.de/index.htm
raymond-gantner.magix.net/

IMPORT EXPORT Kantine

So heißt das multifunktionale, soziokulturelle „Foyer“ des Projektes, welches auch eine Quartierskantine beinhaltet. Damit reagieren wir auf das Bedürfnis nach einem Ort, an dem sich die Wege der Gäste, Künster/innen und Akteure/innen treffen, an dem sowohl für das leibliche, als auch das geistige Wohl aller gesorgt ist. Dafür bot es sich an mit den Betreibern des „Import Export“ zusammenzuarbeiten. Michael Schild und Tuncay Acar kreierten in Absprache mit dem Labor München das Konzept für eine Kantine mit Kulturprogramm, die vorwiegend ein gemischtes Publikum aus dem Quartier und dem Viertel anspricht, aber auch Besucher/innen aus dem ganzen Stadtbereichanziehen wird. Vielleicht erhält sich dieses Konzept ja auch über den Projektzeitraum hinaus?

http://www.import-export.cc/

http://www.kunstzentrat.de/

Das akutelle Programm von IMPORT EXPORT unter:

https://www.facebook.com/impex.muc?fref=ts

 

Ein Projekt von