Ausstellung

12.09. - 18.10.2014: Internationale Gruppenausstellung UNDER (DE)CONSTRUCTION

Der Begriff Dekonstruktion dient seit den 1960er Jahren als Schlagwort für eine ganze Reihe von Tendenzen in Philosophie, Architektur, Kunst und Literatur. Der französische Philosoph Jacques Derrida prägte den Terminus als Bezeichnung für ein Modell der Textanalyse, Dekonstruktion bezeichnet bei ihm den Prozess, in dem Konstruktionen als solche aufgedeckt werden. Die ungesehene Struktur wird zergliedert und aufgelöst, um die Einzelteile erkennbar und die tiefgreifenden Bedeutungen dahinter verstehbar zu machen. Auf den Spuren von Gordon Matta-Clark werden nationale und internationale KünstlerInnen durch ihre Interventionen die Architektur, Geschichte und Bedeutung des Kreativlabors dekonstruieren und Alternativen konstruieren, die unsere Ortswahrnehmung in Frage stellen: Dekonstruktion, Destruktion, Rekonstruktion, Konstruktion. Alle teilnehmenden KünstlerInnen haben sich mit der Lehre des Minimalimus auseinandergesetzt und teilen die Faszination für industrielle Orte, Materialien und Herstellungsverfahren. Des Weiteren verbindet sie die Überzeugung, dass Kunst in ihre Umgebung integriert werden soll, und somit Teil der Kunst wird. Der Raum wird nicht nur mit dreidimensionalen Installationen sondern auch mit Performances, Theater, Tanz und Video bespielt. 
Kuratorin: Laura Sánchez Serrano (ESP)

Die nächste Ausstellung im Rahmen von UNDER (DE)CONSTRUCTION für Sommer 2015 ist in Planung. Sobald es etwas Neues gibt, werden wir hier darüber informieren!

 

Künstler

The Chapuisat Brothers

Gregory Chapuisat *1972, (US) / Cyril Chapuisat *1976,
(CH) leben und arbeiten in Genf (CH)

trou / photo credit: Jens Schnabel

Lässt sich ein Raum durch eine audiovisuelle Installation dekonstruieren? Die Antwort darauf gibt die Arbeit trou der Brüder Chapuisat.

Beim Betreten des Raumes wird unsere Aufmerksamkeit direkt auf eine Videoprojektion auf einer der Wände gelenkt. Auf ihr erscheinen zwei Männer, die mit Schwung, jedoch rudimentärem Werkzeug, einen Tunnel graben. Das Bild ihrer physischen Anstrengung, die sie der Verzweiflung nahe bringt, und das dröhnende Geräusch jedes Schlages durchfluten den Raum und lassen uns für einen Moment vergessen, dass es sich nur um eine Projektion handelt.

Diese Sequenz gehört zu dem Film Le Trou (1960) des französischen Regisseurs Jacques Becker und basiert auf dem gleichnamigen Roman von José Giovanni. Darin beschließe vier Gefängnisinsassen des Santé (Paris) einen Tunnel, der ihnen die ersehnte Freiheit bringen kann, zu graben und durch ihn zu fliehen. In der Arbeit der Brüder Chapuisat wird der Tunnel selbst zur Metapher von Dekonstruktion in ihrer brutalsten Form: Sie fordert uns auf, unsere Perspektive zu öffnen, auch imaginäre Räumen zu betreten und so über architektonische Beschränkungen hinauszugehen.

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Die Konstruktionen der Chapuisat Brothers transformieren Räumlichkeit, indem sie die inneren und externen Begrenzungen, die jedem plastischen Körper inhärent sind, nach außen stülpen und so mit der subjektiven Realitätswahrnehmung spielen. Dabei fordert ihre Kunst die aktive Teilnahme der Besucher und reinszeniert diesen bewusst neu als Entdecker. So demontieren die Environments visuelle und intellektuelle Gewohnheiten und führen die Entdecker vor, lassen sie scheitern und fordern sie heraus, empirisch ihren Sinnen zu vertrauen; Sie provozieren wie Träume ambivalente emotionale Reaktionen bei den Besuchern, die Neugierde, Überraschung aber auch Unbehagen in sich vereinen.

  • 1993–99

    Art Center College of Design, Los Angeles (USA)/Design, Kingston University London (UK)

  • 2006

    Swiss Art Awards

  • 2009

    Swiss Art Awards, Basel (CH)

  • 2012

    La résidence secondaire. R-Art, Vercorin (CH)

  • 2013

    Biennale Krasnoyarsk Museum Center (RUS) Et in Libertalia Ego, Mathieu Briand La Maison Rouge, Nosy Tanga (MAD) Nouvelles Vogues. JCM. Palais de Tokyo, Paris (FR) Modifications. ZK/U – Center for Arts and Urbanistics. Berlin (DE), Le Buisson Maudit. L‘abbaye de Maubuisson, Saint-Ouen-L‘Aumône (FR)

  • 2014

    The Altar of Sacrifice. Espace d‘Art Contemporain HEC Paris (FR)

Nicolás Combarro

*1979, A Coruña (ESP)
lebt und arbeitet in Madrid (ESP)

untitled (Munich) / photo credit: Jens Schnabel

Setting der Installation des spanischen Künstlers ist eine alte, leerstehende Lackiererei. Das Mauerwerk zeigt Spuren der Geschichte: blaue Farbreste, Lüftungsschächte, Gitter und die charakteristische Beleuchtung mit speziell umgitterten Neonleuchtröhren, leicht entflammbar und höchst schädlich, lassen uns an deren ursprüngliche Eigenschaften zurückdenken. Der so von der Vergangenheit bespielte Raum bildet die Bühne für Combarros Installation.

Mit alten Baumaterialien, die der Künstler am Rande des Geländes gefunden hat, realisiert Nicolás Combarro in diesem einzigartigen Raum eine Komposition, die eine eigene Choreografie zu haben scheint. Die Protagonisten sind Objekte wie verschiedenfarbige Styroporplatten, rote Plastikverschlusskappen von Maleimern und ein gelbes Schuttfallrohr, das in einer Arabesque durch den Raum tanzt.

Von ihrem gewohnten Kontext entfremdet und befreit von ihrer sie beschränkenden Funktionalität agieren die Materialien – die selbst ihre ursprüngliche Form und Farbe beibehalten – frei und erreichen im Setting der Lackiererei so eine neue ästhetische Qualität.

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Nicolás Combarros Arbeit folgt einem langen Arbeitsprozess, bestehend aus Recherche und Gestaltung, während dem er einen intensiven Dialog zur Architektur aufbaut. Ein sorgfältiger Blick auf Konstruktion, Form und Essenz des Ausgangsobjekts liefert die Grundlage für die Entwicklung seines künstlerischen Diskurses, der verschiedene Entwicklungsphasen durchläuft. Combarros Ausgangspunkt ist das Bedürfnis nach einem Weg, der ihn zu einer künstlerischen und persönlichen Suche in die direkte Umgebung führt. Diese Suche erlaubt es dem Künstler, anhand verschiedener Strukturen und Materialien, die verschiedenen Bedeutungslagen von Konstruktion zu penetrieren.

  • 2006

    Art and Media Studies, Universität Complutense Madrid (ESP)

  • 2008

    Saab Preis, Festival Off Photoespaña, Moriarty Gallery, Madrid (ESP)

  • 2012

    Architectural Interventions. Round de Corner Project Teatro de Trinidade. Lisboa (POR) Lines/Hidden architecture, Kwanhoon Gallery, Seoul (KOR)

  • 2013

    Preis Saltando Muros, Fundación FIArt, SEGIB Architectural dialogues. Institut Français/French Embassy. Madrid (ESP) Art Fiction. Caixaforum. Barcelona (ESP) Taking Measures, OTR Art Space, Madrid (ESP) Correspondencia II. Palazzo Kucarini, Trevi (IT)

Jonas Etter

*1981, Bern (CH)
lebt und arbeitet in Zürich (CH)

Black seems like a better guess than any other color / Contrefort IV / photo credit: Jens Schnabel

Beim Betreten des Ausstellungsgeländes fällt bereits an der Fassade die erste Installation des Schweizer Künstlers ins Auge: die Arbeit Contrefort IV. Jonas Etter greift voll Freude am Experimentieren mit unterschiedlichen Materialien zu Polyurethan-Schaum – einem Material, das als Wärmedämmung in Gebäuden eingesetzt wird. Die filigranen Stützpfeiler übernehmen allerdings hier eine unerwartet tragende Funktion. Der Schaum, der im Schutz des Mauerwerks zwar ein exzellentes Dämmmaterial abgibt, jedoch höchst lichtempfindlich ist, offenbart uns im Außenraum seine Fragilität. So wird der Bauschaum im Laufe der Ausstellung sowohl seine Farbe als auch seine Form verändern.

Der Titel des zweiten Beitrags des Künstlers heißt Black seems like a better guess than any other color und befindet sichhinter den Ausstellungsräumen, auf einem ehemaligen Teil der Heßstraße. Ausgehend von einigen Furchen/Linien im Asphalt – Narben als Folge von Installationsversuchen der städtischen Straßenbeleuchtung in dieser Sackgasse – realisiert Jonas Etter eine auf Linien und geometrischen Formen basierende Komposition. Mit Hilfe eines Asphaltschneiders zeichnet der Künstler weitere, feine Linien in die Oberfläche, die nun den vorgefundenen Linienfragmenten Form geben und sie vervollständigen. Damit wertet er auf subtile Weise ihren Status zu dem eines Kunstwerkes auf.

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Jonas Etter betreibt, in Beziehung zum konkreten Ausstellungsraum, eine künstlerische Materialforschung. Das Material mit seiner strahlenden Sinnlichkeit, mit vorteilhaften sowie nachteiligen technischen Eigenschaften, mit einem Einkaufs- und Idealwert, wird mit Situationen konfrontiert in denen sich dieser verändert und das Material wertlos oder aber viel wertvoller wird. Architektur und Publikum werden dabei stets vom Künstler mitgedacht, in das Werk integriert und spielen eine essenzielle Rolle.

 

  • 2002–07

    Hochschule Luzern, Kunst & Design

  • 2005

    Gastsemester Zürcher Hochschule der Künste, Studiengang Fotografie.

  • 2011

    Posters. Kunstraum Sandra Romer, Chur (CH)

  • 2012

    Material Ranking. Kunsthaus Lagenthal (CH) INVASION. Espace Libre Biel (CH) Jeune Création – CENTQUATRE, Paris (FR) Donner lieu à l‘inattendu. Galerie Annex14 Bern (CH)

  • 2013

    Atelierstipendium City of Zurich, Kunming (CHN) Atelierstipendium Kanton Zurich, Berlin (DE) Aeschlimann-Corti Stipendium. Kunstmuseum Bern (CH), Exhibition View. Ausstellungsraum Klingental, Basel (CH)

Hisae Ikenaga

*1977, Mexico D.F. (MEX)
lebt und arbeitet in Madrid (ESP)

Lo que ya no está, lo que estaba y lo que nunca ha estado / (Was nicht mehr ist, was war und was nie gewesen ist) / photo credit: Jens Schnabel

Das Fortschreiten der Zeit hinterlässt unvermeidlich seine Spuren. Nicht nur am Menschen, sondern ebenso in den Räumen, die er bewohnt. Fasziniert von den Objekten, die Hisae Ikenaga im Ausstellungsraum, einem alten Büro der städtischen Straßenbeleuchtung, vorfand und den Spuren, die dort hinterlassen wurden, arbeitet die Künstlerin zunächst dekonstruktiv und dann fast ethnografisch, indem sie jedes Objekt einzeln analysiert. Schließlich re-inszeniert sie, gemäß ihrer eigenen künstlerischen Interpretation, die Fundstücke.

Büroschreibtische, Stühle und Regale sind auseinandergebaut, wiederverwendet und formen absurde Konstruktionen, die ihre originäre Funktionalität ironisieren sowie ihr ästhetisches Potenzial offenlegen. Andere Stücke wurden umgezogen, deplatziert und außerhalb des Fundortes aufgetürmt und können von einem winzigen Fenster aus betrachtet werden. Tatsächliche sowie erfundene Abdrücke der Möbel auf dem Boden und Wänden, subtile Interventionen in den Grundriss, der dem Raum vorrangeht, vervollständigen die Installation.

So kann der Besucher sehen, was nicht mehr ist, jedoch eine Spur hinterlassen hat, ebenso was war und niedergerissen, rekonstruiert oder einfach umgezogen wurde, und auch was nie gewesen ist und seinen Ursprung der Erfindungskraft des Künstlers verdankt.

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Durch Wiederverwendungs- und Entfremdungsprozesse verleiht Hisae Ikenaga alltäglichen Objekten eine neue Bedeutung und einen veränderten Nutzen. In ihren verschiedenen Serien hat sie fokussiert mit Themen wie die Konfrontationen zwischen Industrie-materialien, Kunst und Kunsthandwerk, mit vermenschlichten Objekten, der Globalisierung von Objekten und möglichen, genetischen Anomalien von massenproduzierten Objekten gearbeitet. Stilmittel wie Ironie und das Absurde spielen dabei stets eine Schlüsselrolle in ihrer Arbeit.

 

  • 1996–02

    Escuela Nacional de Pintura, Escultura y Grabado „La Esmeralda“, Mexico City (MEX)

  • 2009

    Encontrados. Intervenciones en casa. La Casa Encendida. Madrid (ESP)

  • 2010

    Stipendium Jóvenes Creadores del FONCA (MEX)

  • 2011

    Ambiguous Situations. Praxis International Art. New York (USA) Sistema métrico / Campo de fútbol. Abierto X Obras. Matadero Madrid (ESP) Concreciones 3+1. Arte Contemporánea Lisboa (POR) Selva de Cristal. Museo del Chopo. Mexico City (MEX)

  • 2013

    Residenz Art Center South Florida (USA)

  • 2014

    Ocho cuestiones espacialmente extraordinarias, Tabacalera, Madrid (ESP)

Folke Köbberling

*1969, Kassel (DE)
lebt und arbeitet in Berlin (DE)

blocked / photo credit: Jens Schnabel

Dekonstruktion heißt Analyse verschiedener Komponenten eines Ganzen sowie Suche nach neuen Lesarten. Im Fall ihrer Installation blocked lenkt Folke Köbberling unsere Aufmerksamkeit auf die Türen und Fenster eines Raumes, beides Elemente der Überschreitung und des Kontaktes mit dem Außen, jedoch in ihrem symbolischen Potenzial oft ignoriert oder auf ihre reine Funktionalität reduziert.

In Köbberlings Arbeit versperren Trennwände aus rotem Ziegel, einfachstes Baumaterial, die vier Zugangspunkte zum Raum, wodurch unser Versuch des Betretens selbst zum Scheitern verurteilt ist. Statt den Innenraum zu bespielen und als Aktionsterrain zu behandeln, verwendet die Künstlerin die Raumstruktur selbst und verweigert uns den Zugang ins Innere. Eine provozierende und radikale Aussage, die auf die aktuelle Situation des Geländes, des zukünftigen Kreativquartiers, selbst anspielt: einige Räume sind hier von kulturellen Projekten genutzt worden, wurden dann jedoch geschlossen und warten nun auf ihren baldigen Abriss; andere, obwohl leerstehend, bleiben weiterhin unzugänglich.

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Folke Köbberling arbeitet seit 1998 an ihrer Idee, eine künstlerische und architektonische Ästhetik des Widerstandes zu erschaffen. Sie konfrontiert dabei Konsumideologien mit Alternativen und verwendet dazu formal strukturelle Interventionen und künstlerische Statements wie Aktionen und Theorien. Ihre Projektionsflächen sind dabei die Straße, Plätze, Brücken, Parks aber auch Interieure von Geschäftsräumen. Das Material, das sie für ihre Kunst verwendet, entlehnt sie urbanen Ressourcen: sie arbeitet mit Objekten, die weggeworfen wurden, wie Müll oder gespendete Objekte.

 

  • 1990–95

    Studium der Bildenden Kunst, Kunsthochschule Kassel (DE)

  • 1994–95

    Emily Carr Institute of Art & Design, Vancouver (CAN)

  • 2011

    Future of Transit. Gallery No.9. Evergreen Brickworks. Goethe Institut. Toronto (CAN) Invisible Dust, Interventions in Public Space, Hackney Greenways. London (UK)

  • 2012

    Preis, Landschaftskunstwettbewerb Lohberger Bergpark, Dinslaken (DE) Residential House, Zoma Contemporary Art Center. Harla (ETH) Labor. OK Zentrum für Gegenwartskunst. Linz (AUT)

  • 2013

    ifa Auslandsstipendium für Mexico automanic. Schaustelle. Pinakothek der Moderne. München (DE)

Florian Lechner

*1981, Burghausen (DE)
lebt und arbeitet in München (DE)

raumskizze (under (de)construction) / photo credit: Jens Schnabel

Beim Betreten der Ausstellung sehen wir eine großformatige Platte Styropor, die uns dazu auffordert, den rechts gelegenen Raum zu betreten. Unserer Neugierde folgend, gehen wir den schmalen Weg entlang, der uns von den fragil übereinander gestapelten Platten vorgegeben wird. Schließlich an deren Ende und im sich öffnenden Raum angekommen, weitet sich unser Blick und uns wird klar, dass der Künstler aus Styroporplatten einen Raum im Raum konstruiert hat.

Lechners Installation erstreckt sich, die ursprünglichen Grenzen des Raumes durchdringend und verändernd, bis zu den angrenzenden Ausstellungsflächen. So greift sie in ihr Umfeld ein und transformiert die ursprüngliche architektonische Struktur in ein komplexes Labyrinth. Eine Komposition aus geometrischen Formen, die der Betrachter beim Durchschreiten des Raumes erst nach und nach entdeckt und schließlich, aus der Sammlung verschieden perspektivischer Ansichten, zusammenfügen muss. Mit seinen Arbeiten lädt uns Florian Lechner ein, über die physische Qualität des Raumes nachzudenken und uns auf neue Erfahrungen einzulassen. Auf die Erfahrung von Zeit durch Raum.

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Florian Lechner versteht den Ausstellungsraum als Ganzes. Darin schafft er aus Materialien wie Karton, Metall oder Plastik geometrische Kompositionen, die in enger Beziehung zur Architektur des sie umgebenden Raumes stehen. Das konkrete Material re-konfiguriert er präzise und makellos, so dass das Ergebnis zu einem Designobjekt zu werden scheint. Dabei bestimmen Dichotomien wie Ordnung-Chaos, Gleichgewicht-Ungleichgewicht, Leere-Raum, Licht-Schatten, usw. seine minimalistische und elegante Arbeit.

  • 2006–2012

    Studium an der AdbK München bei Prof. Hermann Pitz / Bildhauerei.

  • 2011

    Förderpreis der Heitland Foundation, Celle (DE). Kunstpunkte Düsseldorf. Atelier Paul Schwer (DE).

  • 2012

    Kulturpreisträger Bayern Förderpreis des ak68. Kulturpreisträger Bayern, Förderpreis AK68. Wasserburg Inn (DE).

  • 2013

    Zuckerachsenparallaxe. Kunstarkaden. München, Tacker. Galerie der Künstler, München. Palmisch. Haus f Ateliers. München.

Boris Maximowitz

*1985, Weißenburg (DE)
lebt und arbeitet in München (DE)

MUT / photo credit: Jens Schnabel

Etwas abgelegen vom restlichen Ausstellungsareal befindet sich auf dem Dach eines Gebäudes, das 2015 abgerissen werden soll, die Lichtinstallation von Boris Maximowitz – in einer privilegierten Position: Schon von der Dachauer Straße aus sichtbar. In vollem Glanze erhebt sich hier das Wort MUT und proklamiert eine Prämisse, die nicht nur die Initiativen dieses jungen Künstlers auszeichnet sondern auch im Geist derer zu finden ist, die das Kreativquartier ausmachen.

Tatsächlich verdanken wir es der Kühnheit und Courage der zahlreichen Akteure dieses Geländes, dass heute hier Institutionen wie das PATHOS Theater, die Halle 6 oder auch das Leonrodhaus angesiedelt sind. Auf ihren Mut verweist Maximowitz. Den Mut, aus dem offiziellen und institutionalisierten Zirkel herauszutreten. Den Mut, Raum für Kreativität einzufordern. Den Mut, Projekte künstlerischer Qualität und sozialen Charakters anzuregen. Den Mut, schließlich, Träume wahr werden zu lassen. In Mitten des Areals, das von Wechsel und Rekonstruktion geprägt ist, erinnert uns der Künstler an die Notwendigkeit Mut zu zeigen. Mutig zu sein. Mut, als Antriebskraft sich der aktuellen Situation zu stellen, sie kritisch zu analysieren und neue Aktionsformate anzuregen.

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Boris Maximowitz nimmt Eingriffe in den öffentlichen aber auch den Ausstellungsraum vor, um die Reaktionen der Leute zu erforschen. Seine temporären Konstruktionen, oft bestehend aus leeren Kisten, Holz, Müll und allerlei auf den Straßen gefundenen Objekten, entstehen schnell, impulsiv und geradezu natürlich. Der Künstler dekonstruiert und transformiert die ursprüngliche Bedeutung der Objekte indem er sie mit einfachen Hilfsmitteln und Materialien zusammenbindet, verklebt, kombiniert und aufstapelt So zwingt er uns Raum und Realität neu zu überdenken.

  • 2008

    Abschluss Goldschmiedegeselle, Zeichenakademie Hanau (DE)

  • Seit 2011

    Studium Bildhauerei bei Prof. Hermann Pitz, AdBK München (DE)

  • 2012

    Diese Show kennt keine Grenzen. BEAST Nürnberg (DE) relevanten Untaten. Galerie Meister & Margarita, Frankfurt a. Main (DE)

  • 2013

    Raumgrammatik. Achselschwang am Ammersee (CH) Jahresausstellung AdbK München (DE) Actually I came to provoke. Molbert Gallery St. Petersburg (RUS) Was es zu sagen gilt / Wo deine Position mal (k)eine Rolle spielt. AdbK München.

Michael Schrattenthaler

*1971, Kufstein (AUT)
lebt und arbeitet in München (DE)

Aller anfang / photo credit: Jens Schnabel

Die Geschichte eines Gebäudes sickert in seine Wände ein. Von dieser Idee geht Michael Schrattenthaler aus und greift dekonstruktiv ein. Er entkleidet eine Hälfte des Raumes und legt so die ursprüngliche Struktur seiner Wände offen. Den Zustand einer Zeit noch bevor seine vielen Bewohner ihr Territorium mittels immer neuer Farbschichten markierten.

Mit Hilfe einer Trockeneispistole befreit der Künstler die Architektur vom Ballast der Jahre und verwandelt ihre Geschichte in Farbreste und Staub. Die dekonstruierte Geschichte liegt so, wie Asche, die darauf wartet in einer Urne aufgehoben und verehrt zu werden, auf dem Boden verteilt. So werden immer neue, tieferliegende Spuren sichtbar, die zuvor verhüllt waren. Beispielsweise tauchte inmitten des Mauerwerks eine zugemauerte Türe auf, die der heutigen wohl vorangegangen ist.

Die neu entdeckte, jungfräuliche und doch rustikale Textur kontrastiert mit den zwei anderen Wänden des Raumes, die der Künstler im bei Arbeitsbeginn vorgefundenen Zustand belassen hat. In diesen Wänden bleibt das in den Schichten gespeicherte Wissen und ihre Geschichte inhärent existent, jedoch für uns unsichtbar.

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Michael Schrattenthaler definiert den Ausstellungsraum seit den Neunzigern neu. Der Künstler verwendet dabei günstigste Materialien, meist Fundstücke und Recyceltes, um seine Installationen entstehen zu lassen, die unsere Wahrnehmung von Raum verändern und neue Assoziationen provozieren. Kontinuierlich ist in seinen Konstruktionen immer ein verstörendes, visuelles Element auszumachen, das uns im Prozess der Wahrnehmung dazu zwingt, den Raum aus einer unerwarteten Sichtweise neu zu überdenken.

  • 1993–99

    Studium Bildhauerei bei Prof. Olaf Metzel, AdBK München (DE)

  • 2006

    Bayerischer Kunstförderpreis

  • 2009

    wir sehen uns. Galerie Klüser 2. München, endlosschleifern. Lothringer 13, München (DE)

  • 2010

    Kunstpreis 2010, RLB Kunstbrücke Innsbruck (DE)

  • 2011

    USA Stipendium des Bayr. Staatsministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kunst Komm auf den Boden, Liebling! Kunsthaus Nürnberg (DE) Ärger im Paradies. Projektraum Viktor Bucher, Vienna (AUT)

Vermittlung

Die Kunstvermittlung stellt sich die Frage, wie sich das Areal öffnen und zugleich seine Identität bewahren kann. Aus diesem Grund werden sowohl die Besonderheiten des Geländes, seine Akteure, wie auch die Bedürfnisse seiner BesucherInnen berücksichtigt. Ziel ist es, ein lebendiges kreatives Quartier wirklich werden zu lassen, das eine soziokulturelle Einbindung in den nachbarschaftlichen Kontext und die räumliche Öffnung hin zur Stadt aufbaut und weiterentwickelt. Aufgrund der verschiedensten Nutzer und Akteure des Geländes und ihren jeweiligen Bedürfnissen, bieten wir neben den klassischen Kunstvermittlungsformaten, die die Ausstellung im Fokus haben, auch spielerische und kreative Aktivitäten an, die wiederum die Besonderheiten des Geländes ins Zentrum rücken.

 

Kunstvermittlungsformate im Rahmen der 1. Projektphase

Kunstvermittlerinnen: Constance Maerz (Leitung), Anna Pascó Boltà und Charlotte Meinardus

 

TALK WALK

mit dem Spaziergangsforscher Bertram Weisshaar

Bertram Weisshaar, der ausgebildete Fotograf und Landschaftsplaner spezialisierte sich im wissenschaftlichen Bereich der Promenadologie. Dabei ließ er sich von der Lehre und der Theorie des Schweizer Soziologen Lucius Burckhardts inspirieren, für den die Fragestellung nach städteplanerischen Herausforderungen letzlich eine Ästhetische ist. In diesem Zusammenhang analysiert Bertram Weisshaar vor allem klischeehafte Landschaftsbilder und die menschenwürdigere Gestaltung der urbanen Umwelt. Der Spaziergangsforscher wird ab dem 12.09. seinen eigenen kritischen Blick auf das Kreativquartier werfen und dies innerhalb ausgiebiger Einzel- und Gruppenspaziergänge analysieren. Parallel dazu wird der Künstler einen Audio-Spaziergang (Audio-Guide) für die Akteure des Kreativquartiers erstellen, der über das Areal führt und an ca. 20 Stationen jeweils eine in sich abgeschlossene Geschichte, realen oder fiktionalen Charakters, zu den Nutzungen und Nutzern der Gebäude erzählt. Diese dafür entwickelten Inhalte werden wiederum im Talk Walk aufgegriffen und am 27. Sept. von 17.00 - 19.00 Uhr in Form einer “Talk-Show in Fortbewegung” live konstruktiv dekonstruiert. Räume sollen erkundet, erlaufen und erfahren werden, um so das Verständnis der TeilnehmerInnen visuell und auditiv zu sensibilisieren. Darin bestehen die Besonderheit und der Mehrwert dieser Spaziergänge. Denn erst durch die Bewegung des Körpers sowie des Geistes durch die urbane Landschaft,  manifestieren sich plurale Eindrücke die weit über das Sehen und bloße konsumieren hinausgehen. atelier-latent.de

 Hier finden Sie die Website mit Audiomaterial zum TALK WALK: Labor München – Zukunft Gegenwart 

 

BUCHPRÄSENTATION UND DISKUSSION

von und mit dem Spaziergangsforscher Bertram Weisshaar

Am 17. Sept. von 17.00-19.00 Uhr und direkt im Anschluss an seine ein-wöchigen Analysen des Kreativquartiers, stellt Bertram Weisshaar sein Buch, “Spaziergangswissenschaft in Praxis. Formate in Fortbewegung”, vor. Im Buch werden Wegbereiter, wie auch aktuelle Positionen von SpaziergangsforscherInnen, Ausflüglern, Flaneure und diverse andere Formate der Fortbewegung präsentiert, die sich mit Stadt- und Landschaftsräumen auseinandersetzen, Planungsvorhaben kritisch begleiten und auf diese Weise urbane Räume erschließen und vermitteln. Durch seine journalistische Vorgehensweise analysiert und kritisiert Bertram Weisshaar jedoch gleichzeitig seine eigene Arbeit, weshalb in diesem Buch nicht nur praktische Hinweise für Ausstellungsmacher, Kuratoren, Fotografen, Künstler, Planer und Kommunalverwaltungen zu finden sind, sondern auch das Entwicklungspotenzial  von “Formaten in Fortbewegung” umfassend beleuchtet und für jeden greifbar wird. (vergleichen Sie hierzu die Rezension von Karsten Michael Drohsel auf dem Blog Urbanophil: http://urbanophil.net ) Wie auch im Buch, wird die anschießende Diskussionsrunde verschiedene “Formate in Fortbewegung” vorstellen und gemeinsam diskutieren. Denn jeder Veränderung geht eine Einsicht, eine erweiterte Wahrnehmung, ein anderes Denken voraus. In diesem Sinne soll gemeinsam erörtert werden, was „Formate in Fortbewegung“  zur Stadtentwicklung und gesellschaftlichen Diskursen beisteuern können - und wo stoßen diese Formate dann auch an ihre Grenzen. 
Eingeladen hierzu sind:

  • Michael Bischoff, vom Institut für Glücksfindung
  • Dr. Martin Klamt des Referats für Stadtplanung und Bauordung München
  • Dipl.-Ing. für Stadt- und Regionalplanung, Autor und Blogger Karsten Michael Drohsel


Aufstand der Zeichen

Graffiti mit den Künstlern Benedikt Gahl und Veit Kowald

Der Philosoph Jean Baudrillard, der in den 70iger Jahren den Boom des Graffiti beobachtete, hielt diese Eindrücke im Aufsatz “Kool Killer oder Der Aufstand der Zeichen” fest. Für Jean Baudrillard besitzt das Graffiti - als sinnentleertes Zeichen - die Möglichkeit vorhandene Zeichensysteme, wie die der Massenkommunikation, zu zerstören und verlagert somit auch die Macht von den Städten hin zu deren Zeichen - dem Urbanen. In diesem Sinn gilt Streetart, im Besonderen Graffiti,  als eine nichtkommerzielle Form von Kunst im öffentlichen, urbanen Raum und stellt meist einen Gegenpol zur omnipräsenten Welt der Werbung dar. Weshalb heutzutage Industriebauten ohne Graffiti kaum mehr vorstellbar sind. Aus diesem Grund ist das Areal an der Dachauer/ Schwere-Reiter-Straße mit seinen alten Industriebauten prädestiniert dafür, auf kreative-anarchistische Weise visuell die Umgebung mitzugestalten. Dieser freie und selbstbestimmte Stil des Graffiti ist es, der schnell Anklang unter Jungendlichen findet. Doch geht es in der künstlerischen Intervention nicht darum „Schmiererei“ zu vermitteln, sondern Kunst und Kultur – Streetart als Türöffner zur Hochkultur zu begreifen. Im Rahmen der Ausstellung Under (De)Construction teilen die Künstler Benedikt Gahl und Veit Kowald ihre Erfahrungen mit Jugendlichen. Ziel ist es im Rahmen des Vermittlungsprogramms die überwiegend 3-dimensionalen und installativen Positionen der austellenden Künstler, wie auch die topographischen Besonderheiten des Geländes, oder auch der angrenzenden Nachbarschaft gemeinsam zu evaluieren, um einen Ausstellungs-Beitrag zur (DE)Construction im 2-dimensionalen Raum zu schaffen. Benedikt Gahl und Veit Kowald sind, neben ihres Studiums der Malerei und Bildhauerei an der AdBK München, seit Mitte der 1990er Jahre aktiv in der Münchner Graffiti-Szene. Beide leben und arbeiten als freischaffende Künstler in München und haben im Jahr 2008 den, von der Stadt München geförderten Künstlerbuch Verlag VISTVUNK gegründet. Um Anmeldung unter vermittlung@underdeconstruction.de wird gebeten. vistvunk.de/publikationen.html

 

Unser Kreativquartier

mit den Künstlerinnen vom Leonrodhaus
Laia Marti Puig und Darija Milicevic

Unser Kreativquartier ist ein 3-Tages-Workshop unter der künstlerischen Leitung von Laia Marti Puig und Darija Milicevic, bei dem ein Modell des Kreativquartiers entstehen wird und somit das Gelände selbst in den Fokus rückt. Die Kinder dürfen kreativ der Frage nach ihrem Kreativquartier nachgehen. Um ein Bewusstsein über die Nutzungen und Nutzer sowie Akteure des Geländes zu schaffen, ist eine Entdeckungsreise mit Blick Hinter die Kulissen und in die Künstlerwerkstätten geplant. Auf diesem Spaziergang über das Quartier werden wir so einiges weggeworfenes, liegengelassenes, oder auch vergessenes Material einsammeln, das dann am nächsten Tag in einem Objekt seinen Platz finden wird. Im Vordergrund steht dabei die sinnliche Auseinandersetzung mit dem Gelände und die praktische Arbeit mit verschiedenen Werkstoffen. Das fertige Modell eines Kreativquartiers wird am letzten Tag entstehen und bleibt bis zum Projektende in unserer Kunstvermittlungswerkstatt ausgestellt. Der Workshop findet vom 08.Okt-10.Okt., jeweils von 15.00-18.00 Uhr statt. Um Anmeldung unter vermittlung@underdeconstruction.de wird gebeten. laiamartipuig.tumblr.com/

 

Room UNDER KIDS CONSTRUCTION

mit den ausstellenden Künstlern Boris Maximowitz und Florian Lechner

Room UNDER KIDS CONSTRUCTION ist ein 2-Tages-Workshop unter der künstlerischen Leitung von Boris Maximowitz und Florian Lechner, der die Ausstellung in den Fokus rückt und bei dem sich die Kinder ihren eigenen Raum konstruktiv/dekonstruktiv schaffen können. Je nach Wetterlage kann dies im Freien, Überdachten, oder auch Innenraum stattfinden. Dabei wird kreativ der Frage nachgegangen, ob für einen Raum immer Wände nötig sind, oder sich dieser auch anders konzipieren läßt. Es dürfen also zunächst Ideen gesammelt werden, um am Ende gemeinsam ein Raumkonzept auszuarbeiten, das ebenfalls bis zum Projektende zu sehen sein wird. Der Workshop findet einmal am 11.Okt. und ein andermal am 16. Okt., jeweils von 15.00 - 18.00 Uhr statt. Um Anmeldung unter vermittlung@underdeconstruction.de wird gebeten. florianlechner.eu

 

Revitalisierung des Urbanen Raums

Im Oktober 2014: WORKSHOP GreenUP

Q+A Panels #12 / GreenUP

Für das Projekt UNDER (DE)CONSTRUCTION auf dem Gelände des Kulturareals hat Q+A Panels ein Format vorgeschlagen, das mehr ist als ein für die Q+A Panels üblicher Themenabend mit anschließender Diskussion. Am 17. Oktober 2014 fand ein Workshop statt, der sich ganz konkret mit den Potentialen und Mängeln des Ortes und mit den Hoffnungen der Bürger vor und für den Ort auseinandersetzte. Prof. Giacomo Pirazzoli vom Florentiner Institut GreenUP hat gemeinsam mit uns und unseren Gästen Vorschläge einer grünen Infrastruktur mit urbanen Nutzpflanzen im KreativQuartier erarbeitet. So soll mit dieser Initiative gemeinsam ein interimistisches Projekt angestoßen werden, das bis zum Zeitpunkt der Neubebauung des Areals eine Begrünung und auch Szenarien für temporäre Nutzungen entwickelt.

Hier geht es zum >>> FILM des Workshops: http://vimeo.com/110364111

GreenUP
Als Gast für diese Q+A Panel #12 war Giacomo Pirazzoli / CrossingLab (CrossingLab.com / Università di Firenze) eingeladen. CrossingLab ist ein Think-Tank, der sich seit 2008 in Forschung und Lehre und mit innovativen Entwürfen mit Nachhaltigkeit auseinandersetzt. Fokus dabei ist eine humanere und grünere Stadtlandschaft. Mit seiner Initiative GreenUp propagiert Pirazzoli eine vertikale grüne Infrastruktur für die Metropole als Werkzeug gegen die Verödung der Städte. Dessen lösungsorientierte Forschung untersucht zum Beispiel die Revitalisierung von städtischen Brachen durch sozialen Wohnbau.

Prof. Dr. Giacomo Pirazzoli
Giacomo "Piraz" Pirazzoli (*1965) ist Architekt und Theoretiker. Seit 2000 ist er Professor an der Universität von Florenz, wo er seit 2008 u.a. auch CrossingLab etabliert hat. 1997-2001 war er Mitglied der Europäischen Architektenvertretung in Brüssel, von 2000-2006 Präsident der Akademie der bildenden Künste in Florenz. Als Gastprofessor unterrichtete im WS 2013/14 an der Hochschule München, aktuell koordiniert er für das Europa-Programm Horizon 2020 eine Post-Graduate-Ausbildung in Kooperation mit dem Strascheg Centre for Entrepreneurship in München. Seine praktische und theoretische Auseinandersetzung basiert immer auf Research, sein Interessensfokus liegt auf unserem kulturellem Erbe, Nachhaltigkeit und interkulturellen Studien. Für weitere Informationen siehe GPspace.

Q+A Panels
Aus einer zunächst privaten, stets anregenden Diskussionsrunde zwischen den Gründungsmitgliedern Eva Kraus, Matthias Ottmann und Mathieu Wellner 2010 ist die Initiative Q+A Panels entstanden, um in einem Kreis von kulturell interessierten Beteiligten in intensivem Austausch aktuelle und virulente Fragen mit architektonischem Inhalt gemeinsam zu erörtern. Ausgewählte Themen aus dem weiten Bereich der Architektur und Urbanistik stellen wir vor und haben es uns gleichzeitig zur Aufgabe gemacht, an deren historischen, ästhetischen und kulturellen Grenzgebieten zu forschen wie auch in Reflexion mit dem Hier und Jetzt zu stellen. Eingeladen werden Persönlichkeiten von denen man sich erhofft, dass sie nicht nur Wissenslücken schließen, sondern neue Fragen aufwerfen. Im KreativQuartier sehen wir unseren Beitrag als Anstoß, als Möglichkeit dieses Stück Stadt (wieder) zu beleben, durch neue Nutzungsangebote attraktiver zu gestalten und um diesen auf der Münchner Kulturlandkarte nachhaltig zu verorten. qandapanels

Forschung / Dokumentation

Der Prozess von UNDER (DE)CONSTRUCTION wird wissenschaftlich begleitet, dokumentiert und evaluiert. Diesen Teil des Projekts betreut Prof. Axel Sowa, Leiter des Lehr- und Forschungsgebiets Architekturtheorie an der RWTH Aachen, mit seinen Studenten. Thema des projektbegleitenden Seminars soll die „Verzeitlichung“ von Architektur sein (Zyklen der Nutzung inkl. der sog. Zwischennutzung, Zyklen der öffentlichen Aufmerksamkeit, des Auf- und Abbaus, der Nachhaltigkeit von Strukturen und Botschaften). Im November 2014 und im März 2015 arbeitet Axel Sowa jeweils mit einer Gruppe von Studenten vor Ort.
Kommunikativ begleitet wird das gesamte Projekt von Holger Felten, Professor für Visuelle Kommunikation an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Nürnberg, und seinen Studenten, die eine visuelle Erscheinung des Projekts realsieren. Zudem wird ein Leit- und Wegesystem entwickelt, das die Orientierung für Besucher vereinfacht und einlädt das Gelände selbst zu entdecken.

Als Resümee der öffentlichen Projektphase soll 2016 ein Symposium „Wie Architektur sozial denken kann 2“ stattfinden. Dieses Symposium ist die Fortsetzung des ersten Symposiums mit diesem Titel, das 2002 in Vorberei- tung der Umgestaltung der Leipziger Baumwollspinnerei stattfand. Ein Vorbild, an dem sich die nutzergeleitete Entwicklung des KREATIVQUARTIERs orientiert. Hierbei geht es besonders um die Umnutzung eines ehemaligen Kasernengeländes in ein kreativ lebendiges Stadtareal, das Wohnen, Leben, Kultur und öffentlichen Raum auf begrenztem Raum vereinen soll. Das soziale Potenzial des Raums steht hier im Vordergrund: die Verbindung von Nutzung und freiem Raum, durch die Leben, Wohnen und Kultur ermöglicht wird. Leerstehende Gebäude sollen als Möglichkeiten der Umnutzung gesehen werden, Abriss als Raumgewinn und Ungewissheit als kreative Spontaneität und Flexibilität. 

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