Konzept

UNDER (DE)CONSTRUCTION

Das Gelände zwischen Dachauer- und Schwere-Reiter-Straße befindet sich von Sommer 2014 bis Sommer 2016 UNDER (DE)CONSTRUCTION. Bevor die unmittelbar bevorstehende Transformation im Kreativlabor beginnt, während die ersten industriellen Gebäude abgerissen werden, wird dieser Quartierteil eine künstlerische, architektonische und soziale Metamorphose erfahren, die auf vier Ebenen stattfindet: Gruppenausstellung, Vermittlung, Revitalisierung des urbanen Raums und Dokumentation/Forschung.

In der ersten Projektphase hat sich das Projektteam der Stiftung Federkiel seit August 2014 auf das Gelände begeben und gemeinsam mit Nutzern, Nachbarn und der Stadt München die Möglichkeiten vor Ort ausgelotet. Im September und Oktober 2014 wurden nationale und internationale KünstlerInnen eingeladen, verschiedene Räumlichkeiten im Kreativlabor unter dem Begriff Konstruktion/Dekonstruktion zu reflektieren: Sie kreierten Installationen in situ, führten site-specific Performances und Aktionen durch und bespielten den Raum mit unterschiedlichsten Herangehensweisen und Materialien. Hierbei gilt Dekonstruktion als Prozess, in dem Konstruktionen aufgedeckt werden, der verborgene Strukturen zergliedert und auflöst, um die Einzelteile erkennbar und die tiefgreifenden Bedeutungen dahinter verstehbar zu machen. Auf den Spuren von Gordon Matta-Clark dekonstruierten die KünstlerInnen durch ihre Interventionen die Architektur, Geschichte und Bedeutung des Kreativlabors und konstruierten Alternativen, die unsere Wahrnehmung des Ortes in Frage stellen.

Der Raum ist aber nicht nur künstlerischer, sondern auch sozialer Bezugsrahmen. Daher ist die Vermittlung ein wichtiger Pfeiler des Projektes. Das Ziel ist, das Gelände innerhalb der zwei Jahre des Projektes als Kreativzentrum mit Schwerpunkt zeitgenössische bildende Kunst zu positionieren. Die Vermittlungsinhalte und -formate sollen sich dabei nach den Besonderheiten des Geländes und den Bedürfnissen seiner BesucherInnen richten. So wurden und werden im Laufe des Projektzeitraums Vermittlungsworkshops stattfinden, zu denen die zentralen Persönlichkeiten dieser Sparte des Labor München sowie aus etablierten Ausstellungshäusern in München, aber auch Vermittler aus anderen Bereichen, wie Bertram Weisshaar aus der Spaziergangsforschung, eingeladen waren. Es finden Netzwerktreffen statt, aus denen ganz konkrete neue Formate für Vermittlung entstehen sollen (Inklusion, partizipative Methoden).

Diese werden dann als Pilotprojekte durchgeführt. Das Kreativlabor wird tatsächlich zum Labor für die Zukunft des Geländes, für München, für zeitgenössische Kunst und ihre Vermittlung. Neben der Ausstellung und der Vermittlung wird aufgrund der nahenden Umnutzung des Kreativquartiers der Bereich Stadtplanung im Sinne von „Revitalisierung des urbanen Raums“ behandelt. Prof. Giacomo Pirazzoli vom Florentiner Institut GreenUP wird auf Einladung von Q+A Panels einen Workshop anbieten. Gemeinsam sollen Vorschläge einer grünen Infrastruktur mit urbanen Nutzpflanzen im Kreativquartiererarbeitet werden. So soll mit dieser Initiative ein interimistisches Projekt angestoßen werden, das bis zum Zeitpunkt der Neubebauung des Areals eine Begrünung und Szenarien für temporäre Nutzungen entwickelt. Des Weiteren wird der gesamte Prozess des Projektes wissenschaftlich begleitet, dokumentiert und evaluiert.

Im Herzen des Kreativquartiers wurde im August 2014 zu Beginn der Projektphase die Mobilarchitektur COCOBELLO des Münchner Architekten Peter Haimerl platziert. Dieses attraktive und leichte Container-Modul, welches mit den historischen Industriegebäuden des Geländes kontrastiert, war Büro und Informationsportal des Projektes. Eine unabhängige und mobile Struktur, die gleichermaßen als Zeichen wie Motor der Transformation dient.

 

ZIELE DES PROJEKTES

Hauptziel des Projektes UNDER (DE)CONSTRUCTION der Stiftung Federkiel ist es, das Gelände an der Dachauer Straße durch kreative Interventionen gemeinsam mit seinen Nutzern voranzubringen. Durch die Entscheidung der Stadt München für den Entwurf des Architektenbüros Teleinternetcafé (Berlin), der eine prozessuale Quartiersentwicklung vorsieht, ergibt sich innerhalb der nächsten zwei Jahre kurzfristig eine einmalige Gelegenheit: die Vorläufigkeit als Chance für Spontanität und Flexibilität. Ein Quartier mit einer starken Identität kann entstehen, wenn die lokalen Akteure in die Entwicklung miteinbezogen werden und vorhandene Qualitäten wie bestehende Gebäude und Nutzungen in ihrer Kleinteiligkeit erhalten werden. Im Gegensatz zum repräsentativen Kunstareal besteht hier die Möglichkeit der freien Szene Raum zu geben. Ziel ist ein von den Nutzern geprägtes, vielfältiges Kreativquartier mit Werkstätten, Ateliers und Wohnungen, das von einer einheitlichen Struktur, einer starken Identifikation getragen wird. Das Quartier strahlt auf die Nachbarschaft aus und bindet sie ein: Es finden Ausstellungen, Podiumsdiskussionen und Workshops statt, regelmäßige Tage der offenen Ateliers, Stiftungsstammtische, und Sommerfeste. Das zukünftige Kreativquartier kann kein Museum, kein Biotop sein – sondern eine wirkliche Bereicherung für die Stadt und ihre Bewohner. Mit UNDER (DE)CONSTRUCTION möchte die Stiftung Federkiel diesen Prozess begleiten und ihn mit Hilfe ihres Netzwerk und ihrer Expertise unterstützen.

Die Stiftung Federkiel fördert den aktiven Austausch sowohl zwischen den Künstlern des Geländes und Künstlern von außerhalb, als auch zwischen der Münchner Kunstszene und den BürgerInnen. So entstehen neue Beziehungen, die eine zukünftige Zusammenarbeit auf dem Gelände und in seiner Nachbarschaft lokal, national und international begünstigen. Die Stiftung Federkiel möchte den vielfältigen Akteuren der Kunstlandschaft Münchens, die bis Ende 2016 an UNDER (DE)CONSTRUCTION teilnehmen, unreglementierten Raum für neue Ideen und Handlungsoptionen bieten. Durch das Projekt möchte die Stiftung mit nationalen und internationalen Akteuren eine breite, nationale und internationale Aufmerksamkeit auf das Quartier und seine Potenziale lenken.

 

VERWIRKLICHUNG DER PROJEKTZIELE

„Kunst kann man nicht säen – nur pflegen. Wenn man also ein Kreativquartier entwickeln möchte, dann greift man besser Vorhandenes auf und ergänzt es sinnvoll, als etwas Neues zu schaffen.“ Karsten Schmitz, Vorstandsvorsitzender Stiftung Federkiel

In der ersten Projektphase von UNDER (DE)CONSTRUCTION fand eine internationale Gruppenausstellung und ein umfangreiches Veranstaltungsprogramm statt. Außerdem konnten wir das COCOBELLO Haus, das mobile Containermodul des Münchner Architekten Peter Heimerl, als Büro und Infopoint errichten und mit der IMPORT EXPORT Kantine einen neuen Treffpunkt für das Gelände, aber auch für die Nachbarschaft ansiedeln. Diese Ziele konnten wir nur Dank der engen Zusammenarbeit mit der Stadt München, wie auch dem Labor München, schaffen.

Umso mehr freuen wie uns in der ersten Projektphase schon als Mitglied der Kooperationsgemeinschaft Labor München geworden zu sein. Dies sehen wir als Chance und auch als Verpflichtung. Als Chance noch enger mit den Nutzern zu kooperieren und als Verpflichtung unseren eingeschlagenen Weg - vorhandene Qualitäten zu unterstützen - fortzuführen. 

Kontext

Kreativquartier an der Dachauer Straße

Auf der Fläche der ehemaligen Luitpoldkaserne in München, zwischen Dachauer-, Loth-, Schwere-Reiter-, Heß- und Infanteriestraße, wird ein urbanes Stadtquartier entstehen, in dem Wohnen und Arbeiten eng mit Kunst, Kultur und Wissen verknüpft werden: das KREATIVQUARTIER. Auf der Grundlage des Entwurfs des Architekturbüros Teleinternetcafé (Berlin) und der Landschaftsarchitekten von TH Treibhaus (Hamburg)wird das 20 Hektar große Areal in die vier Bereiche „Kreativpark“, „Kreativplattform“, „Kreativfeld“ und „Kreativlabor“ unterteilt. Neben gewerblichen, kulturellen, kreativwirtschaftlichen und sozialen Nutzungen sind Wohnungen und eine Grundschule vorgesehen. Das ursprünglich militärische Areal ist heute nur partiell genutzt. Im nördlichen Teil, im zukünftigen KREATIVLABOR, hat sich in den letzten Jahren eine lebendige Kunst- und Kulturszene entwickelt, deren Potenzial aufgegriffen werden und zur Identitätsbildung des neuen Quartiers beitragen soll. Es gibt bereits unabhängige Institutionen, die aktiv, experimentell und interdisziplinär in diesem Quartierteil arbeiten und die sich in der offenen Struktur „Labor München“ zusammengefunden haben. Tanz, Theater, Musik, Kino, Performance und visuelle Kunst finden hier einen Entfaltungsraum, in dem Freiheit, Innovation, Zusammenarbeit, kulturelle Verantwortung, Dialog und Sozialbewusstsein im Mittelpunkt stehen.

Am 24. Juli 2013 hat die Vollversammlung des Münchner Stadtrates grünes Licht für die weitere Entwicklung des Projektes gegeben und seitdem wurden die ersten Entscheidungen getroffen. Infolgedessen wird das Quartier bald einen großen Wandel erfahren. Viele industrielle Gebäude, die zurzeit für kulturelle Projekte genutzt wurden, werden in Kürze abgerissen: Ein wichtiger Zeitpunkt, über die Zukunft dieses Quartiers nachzudenken und neue Ideen zu entwickeln, die das Kreativlabor weiterbringen.

Weitere Informationen zum Kreativquartier und seinen Entwicklungen finden Sie auf der Webseite der Landeshauptstadt München.

Team

Karsten Schmitz

Gründer und Vorstandsvorsitzender der Stiftung Federkiel für zeitgenössische Kunst und Kultur

photo credit: Jens Schnabel

Magdalena Assmann

Projektleitung und Geschäftsführerin der Stiftung Federkiel für zeitgenössische Kunst und Kultur

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Laura Sánchez Serrano

Künstlerische Leitung in der 1. Projektphase, 2014

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Alina Eisner

Assistenz der Kuratorin in der 1. Projektphase, 2014

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Constance Maerz

Leiterin der Kunstvermittlung in der 1. Projektphase, 2014

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Alexander Stumm

Presse und Kommunikation in der 1. Projektphase, 2014

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Anna Pascó Boltà

Mitarbeiterin der Kunstvermittlung in der 1. Projektphase, 2014

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Charlotte Meinardus

Mitarbeiterin der Kunstvermittlung in der 1. Projektphase, 2014

photo credit: Jens Schnabel

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